Jan und Alex in Brasilien / Blog


15. Juli 2009

Reise zurück nach Hause, Teil 2

um 06:40 von Jan unter Freizeit, Allgemeines veröffentlicht. 5 Kommentare

Daheim angekommen. Vor einer Woche schon. Immerhin ich, Alex hat noch nichts von sich verlauten lassen. Es ist schön wieder hier zu sein, aber das ist nicht Gegenstand des Blogs. Ich schreibe noch kurz, wie unsere Reise weiter verlief und sie zum Ende hin zu meiner Reise wurde:

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Von Eirunepé aus lief es schon wesentlich besser. Der Flug aus Manaus kam pünktlich und startete mit uns an Bord auch recht genau nach Plan. Der einzige Wermutstropfen ist die dauernde Abzocke, der wir als Ausländer hier einfach ausgesetzt sind. Unser Taxifahrer (Privatmann mit Pick-Up) wollte für die Fahrt vom Missionshaus zum Flughafen (max. 10 min) schlappe 20 BRL, rund 8 Euro. Im Vergleich dazu kostet ein richtiges Taxi in Manaus vom dortigen Missionshaus bis zum Flughafen unabhängig von Verkehr und Dauer immer 40 BRL – und da kann eine Fahrt mal gut und gerne 45 min dauern. Ich sagte dem Fahrer nur, dass das viel zu viel wäre und er das nur machen würde, weil wir Deutsche sind - er grinste mich mit seiner übergroßen Sonnenbrille und schiefen Zähnen nur an. Alex hat dann seinen Geldbeutel gezückt und erstmal 11 BRL, später 13 BRL geboten. Ich fand es immer noch zu viel, aber da war es schon bezahlt. Später fragten wir eine Frau, die im selben Flug nach Manaus war, wie viel sie denn als Brasilianerin bezahlt hätte. Für sie waren es bei einem anderen Taxifahrer 8 BRL, allerdings weichen die Preise zwischen den Fahrern nicht sehr ab. Das unserer aber 20 BRL verlangt hatte, war schon blanker Hohn und der Versuch, uns abzuzocken. Der Flug nach Manaus war kalt. Kalt, wie die transsibirische Eisenbahn wohl ist, wenn die Heizung ausfällt. Glücklicherweise hatte ich Schuhe und Strümpfe an, aber Alex neben mir in FlipFlops versuchte seinen ganzen Körper in seinen Pulli einzuwickeln. Verständlich, die Temperatur betrug gefühlte 5°C und wenn man bei über 20°C in Eirunepé ein- und in Manaus aussteigt, ist das wahrlich wenig. Schlussendlich schafften wir es aber nach Manaus, ohne diverse Körperteile den Kältetod sterben lassen zu müssen, wurden dort von einer Bekannten abgeholt und zum Missionshaus gebracht. Dort konnten wir noch zwei ganz nette Tage verbringen. Samstags gingen wir auf den Markt, auf dem man die Spuren der Überschwemmung noch gut sehen und vor allem riechen konnte. Der Amazonas trat einige Tage vor unserer Ankunft über die Ufer, der Wasserspiegel war höher als die Kanalisation tief und daher war im unteren Stadtgebiet in der Gegend vom Hafen noch einige große, grüne, stinkende Pfützen, Sandsäcke und provisorische Holzbrücken. Spaß hatten wir trotzdem, kauften noch zwei Hängematten, T-Shirts und Hosen. Das selbe Programm war für den nächsten Tag geplant, nur war dann dummerweise Sonntag und am Markt war alles wie ausgestorben, nur einige wenige Stände hatten offen. Hat uns sehr überrascht, da es eigentlich ein Touristenmarkt ist und Touristen im Urlaub im Normalfall nicht zwischen Wochen- und Sonntag unterscheiden. Abends kam der Zeitpunkt des Abschiedes: Für mich sollte es weitergehen nach São Paulo und dann nach Deutschland, Alex wollte wie bekannt noch an die Küste. Bei meinem Flug nach São Paulo hat auch alles gut geklappt, der Taxifahrer war dieses Mal ganz nett und wollte den einfachen Standardpreis – man muss aber auch dazu sagen, dass er der „Missionstaxifahrer“ ist und Familie Totz persönlich kennt sowie im Januar schon mit uns bei der Bundespolizei war. Erschöpft kam ich in São Paulo an, der Flug ging schneller als erwartet und ich hatte in der Nacht daher nur rund 4h Schlaf (Abflug 00:30 Uhr, Ankunft 4:45 Uhr). Um 8 Uhr holte mich Angelikas Bruder am Flughafen ab, wir fuhren zu ihrer Wohnung wo wir erstmal gemütlich frühstückten. Es war ein tolles Gefühl, nach mehr als 10 Monaten wieder einmal unter einer warmen Dusche zu stehen – das ganze noch auf 60 Meter Höhe im 20. Stock eines Hochhauses, war schon ein starker Kontrast zu Envira… Zum Abschluss meines Brasilien-Aufenthaltes bekam ich von Familie Totz noch einen Gutschein über ein Churrasco (Grillrestaurant) geschenkt, den ich in São Paulo einlösen sollte – was ich natürlich auch gerne machte. Churrasco ist sehr typisch für Brasilien, es handelt sich um ein All-you-can-eat - Restaurant mit einem Büffet mit Beilagen, an dem man sich ordentlich bedient. Überall laufen Kellner herum, jeder mit einem Fleischspieß frisch vom Feuer, jeder hat eine unterschiedliche Fleischsorte. Man sagt, ob man was will, welches Stück man will und bekommt es frisch abgeschnitten. Sollte es in Deutschland auch geben :-) Auf dem Rückweg zum Flughafen machten wir noch einen Abstecher zum größten Hochhaus von São Paulo, ein Bankgebäude. São Paulo ist die drittgrößte Stadt der Welt, aber hat nur ziemlich niedrige Häuser (bis zu 160m). Rundherum gibt es viel Platz, um in die Breit zu wachsen, nicht so wie z.B. Tokio in die Höhe. War ein sehr toller Ausblick, aber nach 10 Monaten im Dschungel mit maximal zwei-stöckigen Häusern auch sehr ungewohnt. Nach einem weiteren, diesmal aber wesentlich längeren Nachtflug kam ich dann am 07. Juli auch gut in Frankfurt an, wurde von meinen Eltern abgeholt und beim Mittagessen von einem rechten Schweineschitzel mit Spätzle und Soß' begrüßt.

Schön, wieder hier zu sein!

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04. Juli 2009

Reise zurück nach Hause, Teil 1

um 14:12 von Jan unter Allgemeines veröffentlicht. 2 Kommentare

Gerade liege ich hier gemütlich in meiner Hängematte, neben mir eine Packung „Pringels“ (seit Manaus im Januar nicht mehr gegessen!), ein Glas Orangenlimonade neben mir, ich genieße die letzten Sonnenstrahlen. Könnte ein voll und ganz gelungener Tag sein, aber das, was heute und auch in den letzten Tagen alles passiert ist, wühlt mich innerlich immer noch auf, lässt mir keine Ruhe. Und hat Folgeerscheinungen, vor allem in Bezug auf mein Bankkonto.

Es begann am Montag abend. Ich war gemütlich dabei, mit meinen Freunden Pizza zu machen um uns damit während dem letzten Mal gemeinsamen Filmschauens zu verköstigen, als Chris vorbei kam und meinte, es wäre gut wenn wir abends noch packen – vermutlich fliegen wir Dienstag früh los nach Eirunepé. Die Nacht war sehr kurz, bis um 1:30 Uhr war ich mit Packen, Aussortieren und sonstigen Vorbereitungen beschäftigt. Der Dienstag Morgen kam und ging, nichts geschah, kein Flugzeug am Himmel und mit ihm auch kein Jan. Sonderlich schlimm war das noch nicht – in Brasilien muss man einfach spontan sein und sich auf eventuelle Überraschungen gefasst machen. Der Koffer war schon einmal gepackt, alles weitere erledigt und man könnte ja einfach darauf warten, bis das Flugzeug fliegt. Immerhin konnten wir am Nachmittag noch spontan einen lang angekündigten und immer wieder verschobenen Ausflug realisieren. Der ging dann zwar in einem Wolkenbruch und dem anschließenden Steckenbleiben des Toyotas im Schlamm unter, Spaß daran hatten wir aber trotzdem: Ein kleines Abenteuer zum Ende. Abends habe ich das Nötigste aus meinem Koffer heraus geholt und mich in meinem leer geräumten Zimmer ins Bett gelegt. Immerhin war die folgende Nacht dann länger als die vorherige, auch wenn ich am Mittwoch morgen wieder vor 8:00 Uhr aufstand – es könnte ja sein, dass wir abfliegen. Nachdem ich bei Totzens frühstückte, kam Andreas im Laufe des Morgens zu mir und meinte, dass im ganzen Ort kein Flugbenzin mehr verfügbar wäre, ein Schiff von Feijó (18 Stunden Entfernung) aber schon am Vorabend in Richtung Envira startete. Der Pilot startete währenddessen mit den letzten Benzinresten nach Ipixuna, ein Charterflug, für den er fürstlich entlohnt wurde. Dafür lässt man die handesüblichen Kunden, die ihren Flug schon vor einem Monat angekündigt haben, natürlich gerne daheim. Der neue „Plan“ besagte, dass das Benzin im Laufe des Tages ankommt, er abends landet, uns einlädt und noch nach Eirunepé bringt, von wo aus unser Linienflug am Donnerstag morgen startet. Und selbst wenn das nicht klappt, „auf jeden Fall bringt er uns sonst am nächsten Morgen dorthin, das es auf den Flug reicht ist eine Selbstverständlichkeit“. So verbrachte ich den Rest des Tages mit Verabschiedungen und im Internet – Erledigungen waren nicht möglich, man musste ja immer erreichbar sein da der Pilot jeden Moment kommen und wieder starten könnte. Auch der Mittwoch verging ohne Flug, den dritten Abend in Folge ging ich zu Totzens zum Abendessen – bei uns daheim war ja nichts mehr – und abends legte ich mich mit einem mulmigen Gefühl ins Bett. Es blieb nun nur noch eine Möglichkeit für den Flug, damit ich die Linienmaschine nach Manaus noch erwische. Donnerstag morgen. Früh aufgestanden, Zähne geputzt, alles fertig gepackt und ab zu Familie Totz. Noch keine Nachricht vom Piloten, dann klingelte das Telefon. Er sagte, ihm hätten sechs Passagiere auf einmal abgesagt, das würde sich nicht lohnen. Unser Schicksal, das auch mit einem sehr teuren Interkontinentalflug zusammenhängt und sein Wort vom Vortag sind ihm egal. Andreas und Angelika fuhren zum Büro, redeten und versuchten eine Lösung zu finden. Anscheinend klappt es doch noch irgendwie, der Pilot soll um 9:05 Uhr in Envira ankommen. Unser Linienflug geht um 10:30 Uhr, bei einer Flugzeit von ca. 30 min bis nach Eirunepé sieht es gut aus. Resignation pur, als wir um 10:30 Uhr immer noch auf dem Rollfeld stehen und der Pilot immer noch nicht gelandet ist.. Doch immerhin kommt er noch, mindestens fünf Leute inklusive Pilot steigen aus – wo sind die Absagen? Ab ins Flugzeug, mit uns starteten noch zwei andere Passagiere sowie ein Mitarbeiter des Flugteams – das Flugzeug ist also vollbesetzt! Noch eine kurze Nachricht, bevor wir los fliegen – der Linienflieger ist noch gar nicht angekommen und wenn er ankommt, wartet er noch auf uns. Hoffnung und Freude kommt auf. Allerdings währt diese nicht lange: In Eirunepé angekommen, erwartet uns ein gähnend leerer Flughafen, nur ein paar Soldaten marschieren hin und her. Auf unsere Nachfragen heißt es, der Flieger wäre pünktlich gekommen und pünktlich abgeflogen – auf dem Rollfeld in Envira wurden wir knallhart angelogen, nur damit wir den doppelten Preis bezahlen. Irgendwann erscheint auch ein Auto, mit dem wir in die Stadt fahren können. Nach dem Bezahlen für den Flug – mehr als den Basistarif (55 Euro) kriegen sie nicht – werden Pläne für den Nachmittag werden geschmiedet – wann gehen wir den Flug umbuchen? - Telefonate mit daheim und mit Familie Totz geführt. Auf dem Rückweg vom Mittagessen im Restaurant kommt es bei der Bank zu Zwischenfällen, die uns im schlimmsten Fall mehr als 600 € gekostet haben. (Genaueres werden wir erst nach der Abrechnung unserer Karten wissen). Da der Tag eh schon so super verlief, gibt es auf den letzten hundert Metern noch so einen Wolkenbruch, der uns total durchnässt und unsere Laune auf den Tiefpunkt sinken lässt. Das soll aber nicht heißen, dass es nicht noch schlimmer kommen kann – viel könnte noch passieren: Der Linienflieger am Freitag könnte wie der am Samstag schon vollbesetzt sein, die Preise unsere Möglichkeiten übersteigen, die Geschichte mit der Bank ein böses Ende nehmen, der Buschflieger-Pilot eine Nachzahlung verlangen … . Als wir dann um 15:00 Uhr im Büro der Fluggesellschaft ankommen und Alex während dem stundenlangen Warten auf dem Sofa ein schläft – kann ihm keiner übel nehmen bei der langsamen Internetverbindung – machen sich zwei Mitarbeiter der Agentur auf dem Weg in ein Internetcafé, wo die Verbindung besser ist. Per Walkie-Talkie wird dann Kontakt gehalten. Am Ende kommt heraus, dass wir beide nur schlappe 400 BRL (rund 150 Euro) nach zahlen müssen. Von wegen „Last Minute“, zum Ende hin wird es teurer! Als wir uns dann endgültig auf den Heimweg machen, kommt noch die nächste Hiobsbotschaft. Erlaubt sind nur 18 kg Gepäck plus 5 kg Handgepäck. Was für ein Unterschied zu unseren Weiterflügen mit TAM und Lufthansa (20 kg Gepäck plus 10 kg Handgepäck plus eine Laptop-/Foto-/Handtasche). Wer das Monopol hat, diktiert die Preise – die gelten übrigens nur hier in Amazonas, in allen anderen Bundesstaaten hat man mehr Gewicht frei – die Konkurrenz macht's! Die Bilanz des Tages: Viele Nerven verloren, jede Menge Geld ausgegeben – wenn es blöd läuft, noch viel mehr verloren – vom Buschpiloten und seinen Angestellten angelogen worden, nasse Wäsche und nichts richtiges zum Essen. Zum Einkaufen fehlt uns die Lust, bis auf ein paar Säfte, die Pringels und eine Packung Spaghetti habe ich nichts gekauft bzw. gefunden. Egal, das kann man knabbern und trinken, reicht ja auch. Morgen werden wir dann um 17:00 Uhr nach Manaus starten – wenn alles klappt, ich bin vorsichtig geworden mit klaren Aussagen… - und um 20:30 Uhr ankommen. Nun haben wir nur den Samstag und Sonntag zum Einkaufen zur Verfügung und mit unserem alten Freund Rodrigo können wir uns (wir ursprünglich geplant war) auch nicht mehr treffen – der startet am Samstag in Richtung Envira. Wünschen wir ihm mehr Glück, als wir es hatten…

Ob Alex dann am Montag gut nach Salvador und ich nach Sao Paulo/Deutschland komme, werden wir dann sehen. Auch da sind noch einige Fragen offen, nicht alles in trockenen Tüchern. Aber zumindest ich kann euch dann Bescheid geben, mit dem lange aufgeschobenen Eintrag über die letzten Wochen in Envira. Auf Nachrichten von Alex' müssen wir wohl bis Ende Juli warten.

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Kälteeinbruch

Was eine Überraschung, gestern abend - wie sonst immer - mit kurzer Hose und T-Shirt unterwegs, kommt Chris heute morgen eingepackt in Socken, lange Hose und Kapuzenpulli angeradelt. Alex und ich geht es auch nicht anders, die Katzen habe ich heute nacht schon als Wärmflasche verwendet. Während bei euch in Deutschland die Temperaturen steigen, beginnt bei uns die Trocken- und damit die kälteste Zeit des Jahres im Regenwald. 15°C morgens sind für uns sonnenverwöhnte und sonnenbrandgeprägte Kurzzeit-Brasilianer einfach zu wenig!

Jan am 02. Juni 2009. 6 Kommentare
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25. April 2009

Umzug & Ostern

um 14:17 von Jan unter Allgemeines, Arbeitsalltag, Freizeit veröffentlicht. 28 Kommentare

Die alltagserprobte Übersetzung des Wortes »Blog« ist ja »Online-Tagebuch«, und so etwas soll ja auch unsere Website darstellen. Auch wenn wir es wohl nie schaffen werden, wirklich ein Tagebuch daraus zu machen wollen wir euch mit diesem Eintrag wieder einen Bericht der letzten Tage geben - frei nach der Aufforderung: Mehr Einträge mit weniger Text aber mit mehr Bildern.

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Umzug

Totzens Umzug, der ja schon im letzten Eintrag angekündigt wurde, ist nun endgültig beendet. Mehr als eine Woche lang hat er uns Nachmittag für Nachmittag beschäftigt; kein Wunder, wenn der Umzugswagen der Toyota mit einer kleinen Ladefläche ist. Begonnen hat es aber erstmal mit einer Renovierung, Zimmer streichen in unglaublich schönen Farben - schlackegrün, stumpf-mattes Gelb sowie ein Grau aus DDR-Krankenhäusern - Fugen in Wänden und Böden schließen (die bis zu 1 cm breit waren) und sonstigen Arbeiten warteten auf uns. Währenddessen wurde an der Rückseite des Hauses eine Veranda mit Waschtisch angebaut, auf der jetzt auch die Waschmaschine einen Platz hat und wo wir auch schon unser Osterfrühstück genießen durften. Ich bewundere den Schreiner und den Maurer, wie sie all ihre Arbeiten mit FlipFlops an den Füßen erledigen, hier scheint es keine Sicherheitsschuhe zu geben. Totzens neues Haus liegt nur ca. 500m von ihrem alten entfernt, allerdings liegen dazwischen zwei richtig große Schlamm-Schlag-Löcher sowie eine Brücke, die von beiden Seiten her zusammenbricht. Dementsprechend gut mussten die Schränke, Betten und Regale auf der Fahrt gesichert werden. Als Umzugskartons dienten jede Menge Fässer, von denen Totzens bestimmt mehr als 20 Stück haben. Mit ein paar Helfern aus der Gemeinde konnte der Großteil der Arbeit auch an zwei Nachmittagen bewältigt werden. Und als dann auch der Zementboden der Veranda getrocknet war, konnten wir auch die Waschmaschine sowie den Werkzeugschrank mit Solarplatten und den fünf Autobatterien rüberbringen. Dementsprechend wurde dann nach ziemlich genau einer Woche Beschäftigung am Freitag abend vor drei Wochen - am 03. April - das Haus mit einem leckeren Pizza-Essen eingeweiht.

Ostern

Während es ja auch in Deutschland normal und Tradition ist, an Karfreitag Fisch zu servieren, haben wir über Ostern doch ungewöhnlich viele ungesättigte Omega-3-Fettsäuren zu uns genommen: an Gründonnerstag gab es ebenso wie an Karfreitag und am Samstag Fisch. Aber nicht dass ich mich beschweren wollte, es war immer sehr lecker, unterschiedlich zubereitet (gegrillt/gebraten/gekocht) und satt wurde man auch immer. Aber man war auch ziemlich froh, als es am Montag wieder Fleisch auf dem Teller gab. Unseren Karfreitag verbrachten wir ganz gemütlich im Kreis der »Familie«, nach dem gemeinsamen Mittagessen saßen wir noch vor dem Fernseher, redeten miteinander oder haben die Sonne genossen. Der Samstag dagegen war wieder von Arbeit geprägt, die letzten (Umzugs-)Arbeiten wurden getätigt und dann auch der Werkzeugschrank in das neue Haus gebracht. Belohnt wurden wir mit einem Mittagessen, das wir uns sonst selbst hätten machen müssen - oder eher sollen, meistens schaffen Alex und ich das nicht und ernähren uns von Keksen. Am Ostersonntag starteten wir zusammen mit der gesamten Gemeinde - die ja recht überschaubar ist - auf Totzens neuem Anwesen. Jeder (bis auf Alex und mich) hat etwas zu essen mitgebracht, und so saßen wir beisammen, haben UNO, Volleyball oder Schach gespielt und dazu gegessen. Nachmittags haben wir Jugendlichen uns noch in der Kirche getroffen und ein Lied für den Abend-Gottesdienst eingeübt, um den Tag dann mit eben diesem Culto de Ressurreição (Auferstehungsgottesdienst) abzuschließen. Nach all dem Trubel am Sonntag wollten wir den Montag wieder im kleinen Kreis verbringen. Alex und ich sind morgens um 10 Uhr bei Totzens eingetroffen, um gemeinsam zu brunchen, zu reden & beten und - wie daheim - noch die Eier im 'Märchengarten' zu suchen. Eines ist bis heute nicht wieder aufgetaucht, Andreas zeigt schon ernste Anzeichen von Vergesslichkeit. Und zum Abschluss dann noch dieser Satz von Alex, der unsere Ostertage ziemlich gut zusammenfasst: Feiertage hier sind wie in Deutschland - essen, esssen, essen.

Ausflug auf Fazenda

Der letzte Samstag hielt für uns einen weiteren Ausflug bereit. Zusammen mit Totzens neuen Nachbarn liefen wir auf die Fazenda (»Bauernhof«) von deren Eltern heraus. Mit dem Toyota fuhren wir bis zum Ortsausgang und liefen dann noch ca. eine Stunde durch den Matsch, bis wir ankamen. Auf der Fazenda war einiges los, denn es war die Zeit der Orangen- und Mandarinenernte. Wir halfen ein klein wenig beim Pflücken - das Tagesziel war 1500 Mandarinen und Orangen -, haben uns unterhalten, waren zusammen mit Chris und seinen Freunden fischen und haben einfach den freien Tag genossen. Natürlich mit jeder Menge frischer Früchte, frisch gepflückt vom Baum. Auch wenn die Orangen hier eher Grünlinge sind - schmecken tun sie wie daheim und innen drin sind auch sie orange. Das Tagesziel wurde schon am Vormittag erreicht, alle Früchte auf zwei Ochsenkarren verladen und mit Palmblättern abgedeckt. Da wir aber nicht in der Mittagshitze heimlaufen wollten - und auch wegen der Früchte nicht konnten - hatten wir noch einige entspannte Stunden, die wir mit UNO-Spielen, dösen in der Hängematte oder sonstiger Entspannung verbrachten. Nur Chris trieb seine Freunde (und auch seinen Vater) von Tümpel zu Tümpel, um auch noch den letzten Fisch zu fangen. Einige davon haben wir gleich ausgenommen und gebraten, so frisch schmecken sie doch gleich noch mal anders. Auf dem Rückweg machten wir für noch 15 min an einem kleinen, wunderbar erfrischenden Wasserloch Halt und holten uns die nötige Kühlung für den Rückweg, so dass wir abends um halb 6, vollgepumpt mit Fruchtsäure und mit relativ schweren Füßen wieder daheim ankamen.

Ausblick

Während die Schule ihren gewohnten, alltäglichen Gang geht und sowohl Alex und Anderson als auch Chris und ich mit großen Schritten der Erfüllung des Unterrichtszieles voranschreiten, ist der nächste Ausflug in Planung. Die Regenzeit geht so langsam auch ihrem Ende entgegen (Anfang Mai wird es wohl weniger werden) und der Hausrat von Totzens alter Wirkungsstätte im Indianerdorf Piau ist immer noch nicht hergeschafft. Immerhin hat der Termin jetzt schon etwas konkretere Formen angenommen (Abfahrt um den 8. Mai herum) und auch das Boot ist schon besichtigt. Sollte also nichts mehr dazwischen kommen, werden wir in der zweiten und dritten Maiwoche irgendwo auf irgendwelchen Flüssen inmitten des Regenwaldes von Brasilien auf einem Hausboot herumschippern, mit Indianer und Pfeil und Bogen auf Affenjagd gehen oder auch wieder mal Fässer als Umzugskartons schleppen. Laut Andreas warten noch einige Bücher in Piau…

Interessant ist es vielleicht auch noch zu erwähnen, dass sich die Anzahl der Lebewesen (abgesehen von Insekten, Ungeziefer, Parasiten und unregistrierten Säugetieren auf dem Dachboden) in unserem Haus verdoppelt hat: Neuerdings haben wir auch zwei kleine Kätzchen, die auf dem Dachboden von Totzens altem Haus gelebt haben. Insgesamt waren es vier Geschwisterchen, zwei davon haben wir an die Indianer abgetreten, die beiden anderen werden hier schön von Hand mit der Spritze aufgezogen, haben jetzt schon erste Zähnchen, schlafen viel, miauen mehr und wir freuen uns darauf, wenn sie alt genug sind und unseren Dachboden von Ratten, Mäusen & Fledermäusen befreien!

Das war es dann auch schon wieder. Da Alex seine Bilder zwangsweise ausgelagert hat und sie zur Zeit bei Totzens lagern, werde ich wohl am Montag noch ein paar mehr Bilder hochladen. Bisher sind das nur die Bilder von mir und von Andreas. Der nächste Eintrag wird dann vermutlich erst nach unserer Bootsreise kommen, dafür dann aber ausführlicher und mit vielen Bildern. Ein »Blog« im eigentlichen Sinne des Wortes wird das hier wohl nicht mehr…

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25. März 2009

Geschehnisse & Planungen

um 17:10 von Jan unter Arbeitsalltag, Allgemeines veröffentlicht. 30 Kommentare

Während ich hier nun sitze und genüsslich meinen Açaí-Saft schlürfe und dabei an Zerstörer-/Super-/etc. Lörch denke (alles Gute zum Geburtstag!, nebenbei), denke ich mir, es ist an der Zeit. Schon lange ist dieser Eintrag versprochen, oft wurde er angekündigt, manchmal wurde er angemahnt. Der Mord an der Brasilianer ist fast zwei Monate her, seit Manaus sind auch wieder mehr als fünf Wochen vergangen. Nun ist mal wieder ein Eintrag nötig, um euch auf dem Laufenden zu halten und darüber zu berichen, was wir hier tagtäglich treiben und was in nächster Zeit ansteht.

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Schule

Beginnen wir mit dem Grund unseres Brasilien-Aufenthalts, dem leidigen Lehrer-Dasein. Obwohl es eigentlich immer noch ein sehr angenehmer Job ist, von morgens um 7:45 Uhr bis mittags um 12:00 Uhr zu unterrichten. Der Rückflug – der noch nicht gebucht ist – rückt zwar mit jedem Tag und jeder vergangener Woche immer näher, aber auch das setzt uns nicht unter Druck. Alex wird seinen Stoff ziemlich genau durchkriegen, wie das mit Chris und mir aussieht lässt sich schwer voraus sagen, die Fernschulmaterialien geben da keinen guten Überblick. Die fünf Wochen Krankheit haben uns zwar zurückgeworfen, aber Chris ist ein guter Schüler (oder liegt es doch an mir? ;-) ) und so schaffen wir es Woche für Woche einige Schulstunden aufzuholen und dem Ziel näher zu kommen. Und selbst wenn wir es nicht schaffen sollten – oder auch Anderson und Alex unter zeitlichen Druck kommen – würde Angelika die letzten Unterrichtsteile auch nach unserer Abreise fertig machen. Aber im Moment sieht es nicht danach aus.

Umzug I

Das nächste Projekt, das in diesen Tagen ansteht, ist der Umzug von Familie Totz. Eine unbegründete Mieterhöhung gab den Anlass, ein neues Haus zu suchen; ein Haus, das mehr Platz bietet und nicht wie auf dem Camping-Platz platziert ist mit zwei Meter seitlichem Abstand zu der nächsten Hütte. Zur Zeit wird jedes Mittagessen durch den Radio-Prediger aus dem Nachbarshaus beschallt, nachts hüpfen die Katzen über die Häuser und der Ausblick aus den Fenstern reicht nicht weiter als bis zur Mauer an der Grundstücksgrenze. Doch das wird jetzt alles ein Ende haben – ein neues Haus, das zwar näher an der Müllkippe, dafür mit einem wesentlich größeren Garten und jeder Menge Açaí-Palmen im Garten. Aber selbst Alex und ich kennen das Haus nur von Erzählungen, wir sind noch nie da gewesen und so werden auch wir uns von der 'exzellenten Lage' und dem 'wunderbarem Ambiente' überraschen lassen… Das einzig ärgerliche an der ganzen Sache: Das Haus ist größer als unseres, hat einen schöneren Garten und einen Brunnen – kostet aber gleich viel Miete wie unseres hier (dafür haben wir ja das Internet!)

Umzug II

Eigentlich handelt es sich nicht um einen kompletten Umzug. Als Familie Totz vor nunmehr eineinhalb Jahren nach Envira zog, wurde ein Teil des Hausrats an ihrer letzten Einsatzstelle gelassen: Im Indianerdorf Piau, ca. drei Tage mit dem Schiff entfernt. Nun lagern dort noch diverse Kleinigkeiten, aber auch ein großer Generator und sonstige elektrische Geräte sowie ein ganzes Haus. Das können wir zwar nicht mitnehmen, aber immerhin verkaufen – bevor die Termiten es zerfressen. Doch dazu sollte André dort demnächst vorstellig werden. Daher ist geplant – oder besser angedacht, noch ist keine Entscheidung gefallen – dass wir bald mit einem großen Hausboot drei Tage auf den hiesigen Regenwaldflüssen herumschippern, zuerst den Tarauacá flussabwärts Richtung Eirunepé und dann wieder den Juruá gegen die Strömung. In Piau würden wir dann ca. vier Tage verbringen – da die 'Beziehung' zwischen Totzens und den Indianern dort besser ausgeprägt ist als hier in Cacau, würde dieser Ausflug Alex und mir auch die Möglichkeit geben, mit den Indianern den Dschungel zu erkunden, Affen und Tapire zu jagen und uns von Giftschlangen beißen zu lassen. Mit einem vollbepackten Hausboot, auf dass wir übrigens Solarplatten setzen wollen, um uns die Zeit während der langen Fahrt mit Filmen etc. vertreiben zu können, würde es dann wieder drei Tage nach Envira zurück gehen.

Arbeit unter Indianern I

Der Mord an dem Brasilianer hat das Verhältnis zwischen Brasilianern und Indianern nachhaltig geschädigt. Seit unserer Rückkehr aus Manaus waren wir noch nicht in Cacau, nur Andreas wurde zusammen mit einem Beamten des Indianerschutzdienstes zu einem großen Palaver zur Zukunft des Dorfes eingeladen. Aber auch dort war die Situation sehr angespannt, als zwei der steckbrieflich und mit Haftbefehl gesuchten Mörder mit einer Flinte herumstanden. Die Aussagen von befreundeten Indianern, 'wir' wären in den Augen der Indianer auf einer anderen Ebene als die Brasilianer, gibt zwar Hoffnung, dass es bald wieder richtig weitergehen kann aber ob man im Zweifelsfall darauf vertrauen kann?! Schließlich hat auch kein Mensch so einen bestialischen Mord erwartet bzw. kommen sehen… Ganz aufgehört ist die Arbeit aber nicht. Fast täglich haben Andreas und Angelika Besuch von Indianern aus den umliegenden Dörfern (Lontra, Aruaná, Macapá und auch Cacau) oder besuchen die Indianer in ihren Hausbooten am Hafen. So können sie immer noch Audio-Material aufnehmen, Beziehung aufbauen, Texte auswerten und Vokabeln lernen. Und sie erhalten immer wieder Einladungen, doch nicht immer nur nach Cacau zu gehen, sondern auch die anderen Dörfer besuchen zu kommen. Schon am Anfang unseres Aufenthalts wollten wir die Trockenzeit nutzen, um stundenlang durch den Dschungel nach Aruaná zu wandern. Die Alternative ist das Hausboot, was aber die Kosten durch Bootsmiete, Diesel und Besatzung erhöht. Nichtsdestotrotz, nach dem Umzug bzw. den Umzügen ist diese Idee noch im Hinterkopf und wartet auf Umsetzung.

Arbeit unter Indianern II

Durch die vielen Gespräche mit Indianern auch aus anderen Dörfern hat André eine Einladung bekommen, zu einem Indianerfest zu gehen. Alex und ich würden dann mitkommen, um - wie Andreas es immer betont - 'als Bodyguards rechts und links an seiner Seite' zu dienen (dabei ist Andreas doch mindestens 20 cm größer und mindestens ebenso viele Kilo schwerer als ich…). Wenn uns der Umzug nicht zu sehr stresst und wir körperlich fit genug sind, startet am Samstag dann eine Wanderung quer durch den Dschungel bis nach Lontra. Das Fest startet abends, zu trinken gibt es ein Kanu voller Maniok-Bier (habe ich euch erzählt wie das hergestellt wird?) und ein Kanu voller Açaí-Saft (sehr lecker und sehr nahrhaft). Indianerfest, das bedeutet aber auch dass wohl so ziemlich alle Indianer aus dem Umkreis dort anwesend wären – auch die Verbrecher – und es nicht einfach einzuschätzen ist, wie zurechnungsfähig die nach ein paar Kübeln Maniokbier sind und ob wir für sie dann nicht auch einfach als Brasilianer erscheinen … Da ist auch noch nicht das letzte Wort gesprochen, allerdings wäre es ein Ausflug, der unseren kulturellen Horizont deutlich erweitern würde, bei einem traditionellen Fest der Ureinwohner beizuwohnen, die ganze Nacht mit Indianern zu 'feiern', vielleicht ein paar Stunden in der Hängematte zu schlafen und am nächsten Mittag dann wieder nach Hause zu laufen. Und Alex hätte seinen ersten Auftrag als Profi-Fotograf, auch wenn die Bezahlung wohl nicht in harten Euros, sondern vielmehr in flüssigem Maniok-Bier besteht.

Wassermangel

Es muss sich wohl wirklich komisch anhören: Hier regnet es Tag für Tag, unser Garten ist ein einziges Sumpfgebiet, Alex' Laptop gibt wegen einer Badestunde seinen Geist auf, der Tarauacá erreicht neue Höchststände, einige Straßen sind überflutet – und ich fange an etwas mit Wassermangel zu schreiben. Auch für uns ist die Situation paradox, es kann schütten wie es will – wir können den Wasserhahn auf drehen, aber da kommt einfach nichts raus. Seit nunmehr fünf Wochen haben wir mit einer sehr löchrigen Wasserversorgung zu kämpfen. Vielleicht erinnert ihr euch noch, wie das hier in Brasilien gehandhabt wird: In der Stadt gibt es mehrere große Wassertürme, die tagsüber gefüllt werden; abends werden dann die Schleusen geöffnet und alle Haushalte ohne eigenen Brunnen bekommen Wasser von der Stadt in ihr eigenes kleines Reservoir, was bei uns ein 500-L-Bottich auf einem großen Holzgestell ist (dass der Wasserdruck zum Duschen etc. reicht). Warum, wissen wir nicht genau, wir vermuten dass nur eine der zwei Pumpen am großen Wasserturm funktionsfähig ist, aber Fakt ist dass wir zur Zeit in Bezug auf Wasser knapp bei Kasse sind. Schon mehrmals musste ich die schlaftrunkene Flavia morgens um 8 Uhr wieder nach Hause schicken, weil am Vorabend einfach kein Wasser kam mit dem sie jetzt putzen kann. Man könnte sich ja darauf einstellen, dass wir nur 100 L täglich bekommen, aber noch viel schlimmer ist die Unwissenheit, ob und wenn ja wie viel Wasser wir bekommen. Es gab schon Perioden, da bekamen wir drei Tage überhaupt nichts und das Geschirr stapelte sich (und die Ameisenpopulation stieg rasant) und dann haben wir wieder genug Wasser um zu duschen und uns zu fühlen wie in Deutschland. Immerhin haben wir jetzt vorgesorgt und von Totzens zwei Fässer mit je 100 L frischen Brunnenwasser zu uns gekarrt. So konnte Flavia heute morgen wenigstens putzen und die Küche erscheint (besser: erschien) sauber. Diverse Körperreinigungsvorgänge müssen nicht mehr zu Totzens ausgelagert werden (auch wenn es hier als Alternative nur die Eimerdusche gibt) und sie können mal wieder ein ungestörtes Wochenende verbringen ohne Störungen à la „Ich geh nur kurz aufs Klo und dusch dann noch kurz“. Unsere Hoffnung ist ja immer noch, dass die zweite Wasserpumpe repariert ist, bis die neuen FSJler kommen. Sonst, ein Tipp an Hartmut & Kollege, bringt so eine Camping-Dusche mit – das ist hier noch eine Marktlücke. (Schulz, dein Traum der Millionen mit der Wasserpartitionierungsmaschine vom verrückten Erfinder könnte hier evtl. sogar klappen…)

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Alex' Computer will nicht mehr

Oh no! Tropisch-wirbelnde Regenschauer haben meinen Computer geduscht…Sonne!-Regen!-Sturm! und Wasser! von grad auf dann und ich saß im Haus mitm Josué und hab Gedichte von Eugen Roth ins Portugiesische übersetzt während mein Laptop an einem offenen Westfenster die totale Brise abbekommen hat…angeschalten nat…Er hat nichtmal geschrien…ich hab ihn nurnoch ausgießen können und zum trocknen aufgehängt…ja da hängt er jetzt schon seit 2 Tagen und bei jeden Kontaktversuch meinerseits zeigt er mir die kalte Schulter…was mach ich denn am besten um ihn wiederzubeleben?

Alex am 21. März 2009. 12 Kommentare
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24. Februar 2009

Kannibalismus in Envira!?

um 21:33 von Alex unter Indianer veröffentlicht. 22 Kommentare

»KANNIBALISMUS! Amazonas-Indianer verspeisen Farmer« (BILD) »Amazon Indians accused of cannibalizing farmer« (CNN) »Drogen vermutlich für Kannibalismus in Indianerdorf verantwortlich« (Brasilienportal.ch) »Amazonas-Indios als Kannibalen?« (20min.ch) »Kannibalismus in Envira!?« (Juaib.de)

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Unsere in kaum einem Atlas verzeichnete kleine Dschungelstadt Envira machten diese und ähnliche Schlagzeilen Anfang Februar weltweit publik, nachdem Indianer des Kulinastammes einen grausamen Mord an einem Brasilianer begangen hatten. Der 21-jährige geistig beeinträchtigte Brasilianer Océlio Alves de Carvalho (Foto: in Orange) wurde tot von seiner Familie im Indianerreservat vorgefunden. Fünf Indianer des Kulinastammes hatten ihn am Weg zum Indianerdorf Cacau brutal erstochen, viergeteilt, ausgenommen und seinen Kopf am Tatort an einen Baum gehängt. Auch wenn über 400 Messerstiche und -schnitte, fehlende Organe und die Aussage eines Indios für Kannibalismus sprechen darf man den Schlagzeilen nicht ohne Weiteres glauben.

Die Nachricht erreichte uns kurz vor unserer Abreise aus Manaus. Josué rief per Telefon in der Missionszentrale in Manaus an und wollte über eine »schlimmen Nachricht« mit Andreas sprechen. Er berichtete über einen Mord von Kulinaindianern an einem Brasilianer, »viergeteilt, ausgenommen wie ein Wildschwein« sei er. Anscheinend ein junger Brasilianer der öfter mit den Kulina zu sehen war. Durch diese Nachricht schossen Angelika und Andreas sofort Bilder aus ihrer vergangenen Missionsarbeit in Piau durch den Kopf. Schon wieder wurden sie Zeugen eines Mordes von Kulina an einem Brasilianer. Vor einigen Jahren wurde ein Alleinreisender, langhaariger Hippi, der es vorzog nachts in einem Kanu der Indianer zu übernachten auf jene gleiche Weise ermordet. Sie bekamen mit, wie die Indianer Witze über den Mord machten, das geistig und körperlich beeinträchtigte Menschen, wie auch dieser Hippi von den Kulina verachtet wurde.

Nach einigen weiteren Telefonaten mit Mitgliedern der Gemeinde berichtete uns Angelika, wie geschockt Envira über diesen Vorfall wäre. Die Angst der Brasilianer vor den Indianern habe sich schlagartig in Hass verwandelt, ein eigentlich schon lange unterschwelliger Hass sei jetzt mit einem Schlag ausgebrochen. Die Polizei versperrte den Eingang zum Indianerdorf Cacau um es vor Übergriffen der Brasilianer zu schützen. Über meinen Bruder erfuhr ich, dass die Bildzeitung und CNN auf den Vorfall aufmerksam geworden sind. Plötzlich hieß es »Kannibalismus«. CNN berichtete von angeblichen Orgien im Indianerdorf Cacau in denen die Organe gekocht und gegessen wurden. *«The news of the incident came from the Indians themselves, who apparently bragged about eating the man's organs«. Tatsächlich stammt diese Information von einem Indianer, der wohl den Brasilianern Angst machen wollte oder eben als einziger die Wahrheit sagte. Das mit der Angst hat er zumindest verdammt gut hinbekommen. Diese Aussage bleibt aber die einzige seiner Art. Die restlichen Indianer sagen, sie haben zwar Organe, Gehirn und Eingeweiden in einem Kochtopf ins Indianerdorf gebracht, dort wurden diese aber nur Opfer der herumstreunenden Hunde. Sie selbst hätten nichts gegessen. Nach einer Aussage einer Krankenschwester, die die Körperteile obduzierte waren, wie Filetstücke, Fleischlappen aus dem Unterarm geschnitten worden. Der Unterarm selbst sogar gesalzen gewesen. So und ähnlich muss man sich die Stadtgespräche in Envira vorstellen. Seit kurzem wird zudem eine DVD mit Videoaufnahmen von aus zu Haus gereicht, welche den Fundort, die Überreste der Leiche und die Beerdigung zeigen, bei der der Bevölkerung jedes einzelne Körperstück vorgezeigt wird.

Beteiligt am Mord waren scheinbar 5 Indios, darunter eine Frau und ein Junge. Alle fünf Verwandte eines im Vorjahr umgekommenen Indianerhhäuptlings, dessen Leiche in einem Fischteich um Envira gefunden wurde. Aus Sicht der Indianer wurde dieser von Brasilianern ersäuft, aus Sicht der Brasilianer sei er selbst ertrunken. Totzens schließen daher, wie auch eine Missionarskollegin, selbst Kulina, auf einen Racheakt, der schon Monate im Voraus geplant wurde. Die Verwandschaftsverhältnisse der Mörder und die Ethik der Kulina geben Grund für diese Annahme. Die Kulina selbst schieben alle Schuld auf einen Mörder, wobei eine weitere Versionen des Mordes von einem Ritual spricht, an dem das gesamte Indianerdorf beteiligt gewesen sei und jeder Indianer unter Zwang einen Messerstich setzen musste. Diese Version klingt zwar noch weitaus übler, stammt aber von einem Indianer selbst, der bei dem Mord anwesend war, selbst aber nicht zustechen wollte und flüchtete. Seitdem steht auch er auf der Todesliste. Auch stehen nicht alle Kulina hinter dem Mord. Den Indiaos aus Macapá, einem weiteren Kulinadorf, war der Brasilianer ein guter Freund. Die Dörfer stehen nun selbst im Clinch. Denn obwohl nicht alle Kulina beteiligt waren richtet sich der Hass der Brasilianer nun gegen die Kulina insgesamt.

»Sollte es sich tatsächlich um Kannibalismus handeln, wäre dies ein einzigartiger Fall bei den Indios dieses Stammes. Da eine solche Tat in keiner Weise den normalen Riten der Ethnie entspricht, gehen Experten davon aus, dass es nur durch externe Einflüsse, wie z.B. Alkohol- und Drogenkonsum, zu dem schrecklichen Verbrechen kommen konnte.« (brasilienportal.ch) »Rache sei ein Charakteristikum der Kulina-Indianer, aber nicht Kannibalismus« meinte Christiane Tiss. Tatsächlich reagierten die Indianer aus Cacau angewiedert und lachend auf Andreas Frage, ob sie Teile des Brasilianers gegessen hätten. Per Gesetz ist der Verkauf von Alkohol an Indianer verboten, trotzdem gibt es kaum einen Kulina der nicht trinkt. Und mir selbst sind nur wenige bisher begegnet, die keine Alkoholfahne hinter sich herzogen. Soweit mir bekannt nehmen aber nur die Medizinmänner eine Lianendroge die sie in weitere Sphären tragen soll, ein normaler Kulina nicht. Am Tatort selbst wurden zwei Spiritusflaschen gefunden. Nach Beobachtungen von Totzens trinken die Indianer sich Mut an, auch für solche Taten. Das vergossene Blut eines Feindes stärkt nach Kulinaglauben den Mörder. Genaueres zum Alkoholproblem der Kulina findet sich in diesem Text von Pfarrer Frank Tiss, der ebenfalls mit seiner Frau unter den Kulina arbeitet.

Zu Ärgernis der Ortspolizei erteilte die Indianerschutzbehörde FUNAI den ansässigen Polizisten Handlungsverbot. Nur die Bundespolizei aus Manaus darf sich der Mordfälle in Indianerreservaten annehmen. Prinzipiell ist das Betreten der Indianerreservate ohne Genehmigung verboten. Einem Mord in einem Reservat von und unter Indianern wird normalerweise nicht nachgegangen. Die Indianer unterstehen ihrer Selbstbestimmung in ihren Reservaten. Auch der Mord an dem jungen Brasilianer geschah im Reservat. Die 5 Hauptverdächtigten sind mittlerweile in den Urwald geflüchtet. Auf die Ankunft der Bundespolizei aus Manaus wird hier weiter gewartet, wenn sie denn kommt.

Die Polizei verbietet seitdem strikt den Verkauf von Alkohol an Kulina. Vor ein Paar Tagen wurden wieder zwei stark angetrunkene Kulina auf dem Weg nach Cacau erwischt. Die Polizei forderte sie auf den Alkohol rauszugeben, die Indios weigerten sich aber. Nachdem die Polizei mit Verstärkung anrückte wühlte sich der eine Kulina schnell im Schlamm um glitschig zu werden, der zweite stellte sich schützend vor ihn. Daraufhin drohte ein Polizist zu schießen – und schoss. Und obwohl dass Gummigeschoss aus nur wenigen Metern Entfernung den Indianer direkt auf die Brust traf verzog er nach Polizeiaussage keine Wimper, lies sich nichts anmerken. Die Polizei erzählte dies Andreas in ziemlicher Furcht und Erstaunen. Der Kulina selbst soll ihn nur angeschaut und gesagt haben, dass die Kugel des Polizisten ihn zwar nicht verletze, aber die Kugel, die er auf ihn schießen werde tödlich sein wird. Indianer kennen keinen Schmerz. Ja! Sie zeigen überhaupt keine Gefühle würde ich hinzufügen. Den Brasilianern jagt das natürlich noch mehr Schreck und Angst ein.

Beide Kulina kamen daraufhin zusammen mit ca. 20 weiteren Gefangenen in eine kleine Gefängniszelle. Andre gelang es die Indianer im Gefängnis zu besuchen. Aber das was ich mitbekommen habe, wie die Gefangenen behandelt werden, will ich hier nicht schreiben um es mir mit dem Staat nicht zu verderben. Es sollen keine schönen Zustände sein. Nachdem sich Andreas für die Freilassung der Indianer eingesetzt hatte, klaute einer, kaum war er auf freiem Fuß, promt ein fremdes Boot und fuhr damit nach Cacau. Kommt er wieder nach Envira darf er direkt wieder in Knast. Manche lernen nie dazu. Das Boot steht vorerst noch in Cacau. Ein Falle? Das Boot als Köder um einen weitern Brasilianer ins Reservat zu locken und zu ermorden? Die Gedanken scheinen nicht absurd, nach Aussage des Gesundheitshelfers der Kulina planen die Indios noch zwei weitere Morde, bis sie Ruhe geben. Die Brasilianer selbst wollen Rache. Nach Aussagen der Polizei werde sie selbst nicht eingreifen, sollte es zu einem Übergriff der Brasilianer kommen.

Für Totzens hat sich seit dem Mord einiges verändert. Das Vertrauen in die Indianer ist verschwunden. Der nötige Kontakt zum weiteren Erlernen der Sprache fehlt erstmal. Durch ihre Arbeit stehen sie zwischen den hasserfüllten Brasilianern und den unberechenbaren Kulina. Und sie wollen und dürfen es sich natürlich mit beiden Seiten nicht verscherzen. Wir hoffen, dass ihnen das gelingt.
Was nun wirklich geschehen ist, können wir weiterhin nur vermuten, aber sicher ist, es bleibt spannend. Wir berichten über alle Neuigkeiten direkt aus Envira.

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gut angekommen

Nur ganz kurz: Wir sind heute morgen um halb 3 wohlbehalten mit dem Hausboot in Envira angekommen, alle gesund und munter äh müde. Haben dann ein wunderschön geputztes und aufgeräumtes Haus vorgefunden, unsere Nachbarn waren fleißig :-) Ein etwas ausführlicherer Blogeintrag wird bald in Arbeit sein!

Jan am 15. Februar 2009. 4 Kommentare
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30. Januar 2009

Brasilianischer Winter

um 08:41 von Alex unter Allgemeines, Arbeitsalltag veröffentlicht. 78 Kommentare

Ob's uns noch gibt? Ja sicher! Und Neues? Ja freilich, ein Haufen zu erzählen hab ich. Zumindest auf unsrer Seite des Blogs ist das Leben noch nicht eingefroren. Jetzt muss ich doch mal nachschauen…mhhh der letzte Eintrag ist wahrlich lange her. Ich hol also mal meine Notizen aus dem vergangenen Monat hervor.

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Heiße Weihnacht

23.Dezember 2008, die Sommerferien in Envira haben in den letzten Wochen begonnen. Unsre Nachbarn feiern bis spät in die Nacht mit Freunden bei lauter Musik. Manchmal sitzen sie noch bis 3 Uhr nachts vor ihrer Hütte. Aber darum geht's ja gar nicht. Jan und ich brauchen noch Geschenke…mhhh werden erstmal die Nacht drüber schlafen. Geht der halben Welt wahrscheinlich so, kein Grund für Stress, nicht hier. Wir beide sind gespannt wie Heilig Abend und Weihnachten wird, die Weihnachtsstimmung bleibt aus. Wir hoffen noch darauf. Zur Besonderheit der Feiertage hatten wir heute beim Einkauf enormes Glück, mit einer Honigmelone, einem Glas saurer Gurken und Dr. Oetkers Maracujamouse werden die Weihnachtsfeiertage ein kulinarischer Höhepunkt. Unsre Nachbarn reichten uns Kokoskuchen und Hähnchenfleisch mit Nudeln, Reis und Bohnen über den Zaun. Werden das Geschirr morgen zurückbringen. War lecker.

24.Dezember 2008, ein sonniger, heißer Tag. Morgens Unterricht mit Anderson und Chris. Wie ich nachmittags zu unsrer Hütte kam, hüpfte die Nachbartochter zu mir und fragte, ob ich schon gegessen hätte und ob sie mir was machen darf. Meine Antwort hat ein riesiges Lächeln auf ihr Gesicht gezeichnet und 20 min später stand sie mit einem vollen Teller Spaghetti am Zaun. Sonst zogen wir die Hängematte vor, nur Andreas bat mich ihm zu helfen die Autobatterie zu wechseln. Mords schwere Dinger. Nach ein paar Anlassversuchen des Toyotas stand fest, die alte Batterie muss wieder rein. Heilig Abend sind wir zu Totzens eingeladen, haben noch ein paar Gutscheine zu basteln. Unsre Nachbarn reichten uns Assaisaft (eine dunkellilane Palmfrucht, den Geschmack weder süß noch sauer, eher mehlig) über den Zaun, hat uns nicht geschmeckt, werden ihn vorläufig im Kühlschrank lagern, morgen dann den Topf mit den übrigen Tellern rüberbringen.

25.Dezember 2008, es war ein wirklich schöner Heilig Abend. In der Küche wurden wir mit gefülltem Truthahn, Bananenpommes, Rotkraut, Maniokbrei und leckerem Salat überrascht. So gut hatten wir seit Mama nicht mehr gegessen. Die Bescherung fand unter einem kleinen Plastiktannenbaum statt, geschmückt wie in amerikanischen Kaufhäusern. Aber in dem kleinen Zimmer war doch eine warme Atmosphäre, da konnte auch die Klimaanlage in offenen Nebenzimmer nichts dran ändern. Jan und ich haben ebenfalls etwas geschenkt bekommen, das chicste davon: Jeder eine Packung Marmelade. Pampige Brötchen mit kaltem Wasser sind bisher nicht lustig gewesen! Die Frühstücksumstände ändern sich damit schlagartig.
Der 1. Weihnachtsfeiertag begann für mich mit einer kalten Dusche und einem weichen Ei. Mein Sockenkaffee schmeckte wässrig. Werd morgen den Kaffee länger aufkochen. Sind gerade vom Weihnachtsgottesdienst und der Feier in der Kirche gekommen. Wir haben gegessen, Lieder gesungen und mit kleinen Bonbonpackungen gewichtelt. Die Gemeinde besteht zum größten Teil aus Kindern, um so fröhlicher war die Stimmung.

26.Dezember 2008, Gerade haben wir den 2. und letzten deutschen Film von Totzens angeschaut: »Die Maske des Zorro«. Zugleich der 2. Film seit unserer Ausreise. Mittags kam von unseren lieben Nachbarn Nudeln mit Reis über den Zaun. Zum Film brachten sie uns zweimal gefüllte Baguettes an die Tür. Zu Weihnachten haben wir ihnen ein Kartenspiel geschenkt, damit sie auch mal allein spielen können. Vielleicht deswegen mehr Essen heut wie sonst. Nachmittags kamen Rodrigo, Josué und Anderson, mit ihrem gebastelten Schachspiel aus Klebern und Flaschendeckeln. Haben das Geschirr mit einer Tafel Schokolade rübergebracht. Morgen werden wir wieder Unterrichten.

Silvester

Die Tage bis Silvester verstrichen sehr ruhig. Angenehme Unterrichtsstunden mit Anderson und Chris. Silvester wollten wir mit ein paar Gemeindemitgliedern bei Totzens feiern. Heute erwischte aber Montezuma Rache Jans Darmtrakt. Kreidebleich lag er heute Morgen mit einem Bottich Wasser in seiner Hängematte, unfähig zu Tozens zu laufen. Andreas holte ihn im Auto ab, Jan schlich die 20 m zum Tor um ihm zu öffnen, wurde für einige Sekunden bewusstlos und kippte, ich war in der Zeit schon bei Totzens, in Andreas Arme. Jan verbrachte den größten Teil des Abends mit Salzkeksen in der Hängematte und verbringt auch die heutige Nacht unter Angelikas Aufsicht. Das war dann aber auch die letzte Krankheit für ihn im verstrichenen Jahr. Froh Gemütes auf ein Neues im Jahr 2009! Wider unsrer Erwartungen blieb Envira während Neujahr unheimlich still, viele verschliefen die Jahreswende, manche feiern noch jetzt mit der neu gewählten Partei ihren Amtseintritt am Hafen, aber auf den Straßen und im Himmel war und ist nichts. Chris und Anderson zerrissen ein paar Knallbonbons mit ihren Freunden, die leise in der sternklaren, warmen Nacht verpufften. Ich zeigte ein paar Fotos von Deutschland, von wunderlich eingefrorenen Wasserfällen, von goldenen Herbstbäumen und was sie vor allem interessierte von meiner Familie, dann schlossen wir das Jahr 2008 in einem Gebetskreis ab und ich schlenderte im frischgeborenen Jahr 2009 in aller Stille zu unsrer Hütte. Werd mich jetzt schlafen legen, die Augen brennen vor Trockenheit.

Envira und so

5.Januar 2009, Mitglieder unserer Baptisten Gemeinde ließen sich an einem der vergangenen Tage taufen. Wir wanderten zu einem Fischteich in Richtung Cacau. Die weiß gekleidete Täuflinge wurden vom Pastor in das braune, stille Wasser getaucht, begleitet von den Gesängen der Gemeinde. Es ist schwer die Schönheit dieser Taufe zu beschreiben, so dreckig die Umgebung hinter der Mülldeponie auch war, so sauber wirkte doch die Taufe in diesem Fischteich. Unser Kühlschrank ist leer – fast, 150 Zitronen für insgesamt 5€ liegen noch drin. Werden Baguettes machen und mit dicker Knoblauchpaste bestreichen, dazu Zitronensaft trinken.

6.Januar 2009, die vergangenen Tage waren verregnet. Die Regenzeit lässt den Taruaca enorm anschwellen. Ich schätze das neue Flussufer 10 m höher, wie bei unserer Ankunft im Sommer. Die Wassermassen sind gewaltig! Ich beobachte Veränderungen bei meinen Gedanken und Gefühlen. Es mischt sich eine Sehnsucht in die einst vorherrschende Freude des anderswo. Kein Schmerz, aber ein frohlockender Gedanke an die Heimat. Die Nahrungsvorräte unserer Nachbarn müssen knapp geworden sein, der Nachschub bleibt aus. Wir haben uns in kluger Voraussicht vor den Feiertagen 3 kg Mehl herangeschafft, von denen wir heute Pizza backen werden, eine Überraschung zu Rodrigos 21. Geburtstag. Die ursprüngliche Idee Fleischtaschen zu kaufen scheiterte an leeren Theken der Läden.

7.Januar 2009, Josué und Rodrigo kamen pünktlich zum Englischunterricht, ein bisschen später kam Josués Schwester Thaissa, die seit dieser Woche unsere neue Schülerin sein wird. Bisher war sie aber begieriger Latein zu lernen, nun, meine Kenntnisse werden keine Woche mehr reichen…moriturem te salutam! Unsere Pizza kam vor allem bei Rodrigo gut an. Mit einer Kerze aßen wir auf dem Boden unseres Unterrichtszimmers. Thaissa zog es vor mit dem Löffel zu essen, Josue versuchte sich immerhin mit einem Teelöffel und einem Messer. Gabeln scheinen hier fremd zu sein. Abends feierten wir mit Rodrigos Familie in dessen Hütte. Ebenfalls mit Pizza. Ein schöner Tag.

Eirunepé

10.Januar 2009, alle Sachen sind gepackt. Wir werden heute früher ins Bett gehen, da wir morgen um 4 Uhr nachts aufbrechen werden. Es geht mit dem Hausboot von Nasarés Mann nach Eirunepé, der nächst größeren Stadt flussabwärts. 120 km Flussfahrt warten auf uns, wir rechnen mit bis zu 20 Stunden.

11.Januar 2009, der Morgen hat warm begonnen. Ich band mein Schaf los, streute ihm ein letztes mal Mais und verabschiedete mich, ohne seinen Namen auszusprechen von ihm. Wir verluden das Gepäck vor unserer Hütte in den Toyota, Andre weckte unsere Nachbarn, gab ihnen unseren Hausschlüssel und machten uns zum Hafen auf. Nachdem das Gepäck über matschige Abhänge des Ufers ins Boot gebracht wurde ging es in die Finsternis des Regenwaldes. Wir spannten die Hängematten und dösten in den Morgen hinein, der uns mit schweren Nebelschwaden begrüßte die bald zu heftigen Regenböhen wurden. Was bleibt zu sagen? Wir legten ab und zu am Ufer an. Es ist hier gespickt mit bescheidenen Urwaldhütten, die an Bud Bencer und Terence Hill Filme erinnern, nicht nur die Hütten, auch die Bewohner. Manche Hütten standen in kleinen Gemeinschaften von bis zu 10 Stück, manche allein mit kleinen Mais- und Zuckerrohrfeldern davor. An einem solchen machten wir gegen Mittag kurz Rast. Wir durften auf Nachfrage die Hütte von innen anschauen. Es wohnte ein 7-köpfige Familie darin, die von Fischfang und Mais lebte. Ihre Kinder wachsen hier ohne Schulbildung auf, die nächste Schule wäre Stunden mit dem Boot entfernt. Die Hütte selbst war spärlich eingerichtet, im Wohnraum hing ein Fischernetz und ein altes Radio, und bis auf 40 Töpfe in der Küche sah ich keine weiteren Einrichtungsgegenstände. Wir bekamen zwei Zuckerrohrstangen mit, die wir auf der weiteren fahrt knabberten. In meiner Hängematte beobachtete ich das vorbeiziehende Ufer in seiner endlosen Gleichheit. Zwischen dunklen Regenschleiern kam das in Envira lang ersehnte Postboot entgegen, das ich gern angehalten hätte um nach dem Weihnachtspaket meiner Familie zu schauen, es verschwand aber sogleich hinter der nächsten Flussbiegung und mit ihm meine Weihnachtskekse mit Grillsenf. Der Motor des Bootes ratterte immer weiter Richtung Eirunepé – Ich wurde von Hafengeräuschen mitten in der Nacht geweckt, wir waren angekommen. Nach dem mühsamen ausladen fuhr ein Polizeiwagen vor, der über »die Ankunft von einer Gruppe Ausländern am Hafen« erfahren hatte, die »ein Taxi suchten«. Es war auch ein Taxi mit Ladefläche, das der Polizei um ein paar Sekunden zuvorkam und uns zum Missionshaus fuhr. Die nächsten Tage werden wir hier verbringen, bis es mit dem Flugzeug nach Manaus geht.

12.Januar 2009, wir haben ein kleine Stadtbesichtigung unternommen. Die Fußballmannschaft hat einen Pokal gewonnen. Das scheint der Grund für die Feiern auf und um die Straße zu sein. Ich fühl mich an die Wahlveranstaltungen in Envira erinnert. Es wirkt so viel lebendiger Menschen statt Autos auf den Straßen zu sehen.

Manaus

26.Januar 2009, die Tage in einer Großstadt fühlen sich wie in einer anderen Welt an. Es gab in den vergangenen Wochen viel was mich von täglichen Notizen abhielt, so will ich nun wenigstens versuchen diese Zeit nachzuholen.

Der Flug verlief gut. Wir mussten lediglich vor der Landung ein paar Notrunden drehen – starke Regenschleier verhinderten den Anflug auf die Landebahn. In Manaus selbst bezogen wir zwei Zimmer im Missionshaus, wo wir während unserer ersten Nächte in Brasilien schon gastierten. Dass Manaus einst die reichste Stadt der Welt war ist beim heutigen Anblick fast unvorstellbar. Seit September veränderte sich zudem sichtlich wenig. Aber wir kamen in den vergangenen Tagen in den Genuss von riesigen Einkaufszentren und haben uns plötzlich umgeben von all dem, was wir in Envira sehnlichst vermissten, hilfslos und überfordert gefühlt. Gereizt hat es uns dann trotzdem.

Der Grund weshalb wir für einige Wochen nach Manaus geflogen sind, war eine Missionskonferenz der NTM. Sie fand abseits am Amazonas statt. Mit Bus und Boot ging es nach einigen Tagen Manaus über den Puratequara zum Amazonas in ein amerikanisches Internatsgelände. Wir bezogen eine alte Dschungellodge in dem von Urwald umschlossenen kleinen Gelände, das mich mit seiner Einsamkeit, der Abgetrenntheit und mit den verlassen wirkenden Lodges stark an Jurassic Park erinnerte. Tatsächlich war nicht viel Leben dort. Das in den 50er entstandene Internat gab einem das Gefühl, sich auch zu genau jener Zeit dort zu befinden. Kein Internet, Telefon über das Radio und aktuelle Schulbücher von teilweise 1930. Die wenigen Missionarskinder die dort ihre Kindheit verbringen müssen und mussten wuchsen ohne großen Kontakt zur brasilianischen Kultur, getrennt vom Rest der Welt auf. Von den zwei Internatsschülern die ich gefragt hatte, ob es ihnen gefällt hier aufzuwachsen, meinte die eine, dass sie es hier hasse, die andere, dass sie nichts anderes kenne und es mir daher nicht wirklich beantworten könne. Wen wundert es bei 2 auf 2 km Freiheit mit einem Fussballfeld, auf dem die Missionare und Jan öfters mal kickten, ein Basketballplatz, 20-30 Hütten, die umgeben von Wiese direkt am Amazonas lagen, einem dichten Dschungel drumrum, der die zukünftige Missionarsgeneration vor äußeren Einflüssen schützt und einer Internatsordnung, die Kleidung, Frisur und Flirtverhalten (nicht nebeneinander Liegen!) sowie Flirtorte (nur beleuchtete Orte und nie ohne Lehrkraft allein im Zimmer!) vorschreibt. Wer eine 3 schreibt wird eine Stunde in der Bibliothek eingeschlossen, wer schlechtere Noten schreibt, darf den ganzen Abend dort verbringen.

Zum Amazonas: Es führte ein Steg in Amazonas, von dem wir direkt reinspringen konnten. Beim Baden beobachteten wir wie 2 Flussdelphine 15 m von uns entfernt elegant vorbeischwammen, während die Kinder hinter uns gerade eine kleine Schlange mit ihren Flipflops erschlugen. Ja, gekrabbelt und gekrochen ist dort viel. Im Dschungel, dessen Wege alle wieder auf das Gelände zurückführten gab es Unmengen von Stechmücken, groß wie 2-Eurostücke. Unsre Zimmernachbarin verließ kurz nach ihrem Einzug unser Haus, weil auf ihrem Bett eine dicke Vogelspinne saß. (Andres Flipflop bewies Mut und Stärke!) Gewaltige Spinnen, die ich nicht auf mir haben will. Möglicherweise ist mir aber eine solche nachts über mich gekrabbelt. Hatte eine Art Verätzung auf meiner Brust und ein leicht rotes, verkrustetes Auge. Der anwesende Arzt vermutete, dass eine Tarantel während ich schlief über mich gekrabbelt sei, eine Kakerlake mich verätzt hat oder ich Gürtelrose habe. Ich hoffe, es war nur die Tarantel. Einseifen und abwarten der Rat. Während Angelika und Andreas an der Konferenz teilnahmen, setzten Jan und ich uns mal zu den Vorträgen über Weltanschauung dazu oder hörten uns vormittags mit den Internatsschülern und anderen Jugendlichen ähnliche Vorträge an. Wir sangen in einem portugiesischen Jugendchor als deutsch Bässe mit und traten im Chor bei der Konferenz auf. Die Tage verstrichen langsam. Ich laß »Dances with Wolves« das ich dort gefunden hatte, wir badeten und hingen nicht wenig in unseren Betten. Mit den Jugendlichen ließen wir uns einen Abend auf einem Schiff den Amazonas flussabwärts treiben und sangen portugiesische Lobgesänge, ein anderes Mal setzten wir uns zum Singen und Beten mit ihnen um ein kleines Lagerfeuer an den Amazonas. Um wenigstens ein mal in diesem Jahr wie ein echter Tourist zu wirken fuhren wir mit einer kleinen Gruppe Missionare an den Zusammenfluss von Amazonas und Rio Negro, der eine Kaffeeschwarz, der andere Milchbraun. Statt sich zu vermischen fließen sie aufgrund des versch. pH-Wertes und der versch. Temp. mehrere Kilometer nebeneinander her. Wir haben wenig gesehen, aber die Frau des NTM-Präsidenten Brasiliens schnatterte dauerhaft als wärs so unglaublich, wie es Reiseführer gleichermaßen angeben. Den Farbunterschied den wir wirklich sahen war minimal. Eine Woche Dschungelinternat reichten uns auch um zu merken, das man hier nie leben möchte. Es war zwar chic, aber glich mir eher einem grünen Gefängnis, das wir Gott sei Dank nach einer Woche wieder verlassen durften.

Werden hier nun noch 2 Wochen in Manaus bleiben. Angelika und Andreas nehmen an einem weiteren Seminar über Bibelübersetzungen teil und müssen ihren Führerschein erneuern. Wir hatten Zeit einen kleinen Zoo zu besuchen mit Papageien, Seeotter und Krokodilen, mit den Missionaren Fußball zu spielen, Taxi zu fahren, Anderson und Chris haben ihre Weihnachtsgutcheine von uns eintauschen können – wir sind mit ihnen ins Kino und in McDonalds. Waren Boxautofahren, einkaufen, in einer modernen und großen Baptisten Gemeinde und war vorgestern mit Angelika auf einem riesigen Markt. Eine gewaltig große Halle mit kleinen Zellen aneinander gereiht, in welchen tausende Obst-, Gemüse-, und Fischhändler standen, saßen oder schliefen. Vor der Halle stapelten sich meterhohe Bananen- und Melonenberge. Die Nahrungsfülle in Manaus lässt mich schweren Herzens an Envira denken. Die Tage bleiben abwechseln verregnet, schwül-heiß und sonnig. Die Stunden des Einschlafens ziehen sich quälend in die Länge. Die Hitze ist grotesk.

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Meldung zwischendurch

Nach 27 Tagen ohne Nachricht möchte ich doch mal kurz was in die Runde schmeißen. Unser Aufenthalt in Manaus wird wegen diverser bürokratischer Hürden bis zum 14. Februar verlängert. Allerdings müssen wir dazu auch umziehen und werden vermutlich die nächsten 2 Wochen ohne Internet auskommen müssen. Von der letzten Zeit ist gerade auch ein Blogeintrag im Werden, allerdings bin dafür nicht ich verantwortlich.

Jan am 27. Januar 2009. 8 Kommentare
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